Aktive Sonne
Beschreibung
Weihnachten hängt eng mit der Wintersonnenwende zusammen, da die frühe Kirche das Fest Jesus' Geburt auf den traditionellen Termin heidnischer Sonnenfeste legte (das römische Sol Invictus-Fest und das germanische Julfest), um Gläubige zu gewinnen, da die Sonne nach der längsten Nacht wieder "geboren" wird und das Licht zurückkehrt.
Wir haben Kerzen am Christbaum, weil sie Licht in die dunkle Winterzeit bringen, Hoffnung symbolisieren und ursprünglich auf heidnische Bräuche zur Wintersonnenwende zurückgehen, die später christlich umgedeutet wurden, um Jesus als das Licht der Welt zu repräsentieren.
Genau um die Sonne und ihr Licht geht es also im ersten Bild des Monats 2026, aber das war noch nicht die Geschichte hinter dem Bild. Denn es gibt diesmal nicht nur eine, sondern gar zwei Geschichten die mit dem Bild der Sonne zusammenhängen: Eine technische und eine natürliche.
Die technische geht so: Noch vor einigen Jahren wäre ein Teleskop, mit welchem solche Aufnahmen gemacht werden können, finanziell ausser Reichweite von Amateurastronomen gewesen. Umsonst kriegt man sie auch heute nicht, aber der Preis ist jetzt gegenüber damals doch sehr angenehm.
Die natürliche: Der 11-jährige Sonnenzyklus wird durch das komplexe Zusammenspiel von Plasmaflüssen und Magnetfeldern tief in der Sonne angetrieben, ein Prozess, der als Sonnendynamo bekannt ist und zu regelmässigen Schwankungen in der Sonnenaktivität (Sonnenflecken, Eruptionen) führt. Die Ursache liegt in der Magnetfeld-Umpolung der Sonne, wobei das Feld alle etwa 11 Jahre seine Polarität wechselt.
Ist dieser Zyklus auf dem Maximum - was letztes Jahr wieder der Fall war - dann sind dank der übermässigen Eruptionen auch viele Nordlichter zu sehen.
Entstehung des Fotos
Das Bild entstand im Mai auf meinem Balkon, kurz nachdem ich das Teleskop erstanden habe. Es zeigt die Sonne im sogenannten H-Alpha-Licht, einer ganz engen Auswahl der Wellenlänge des Wasserstoffs (H).
Am Sonnenrand sind viele kleinere und grosse 'Protuberanzen' zu sehen; Auswürfe von Sonnenmaterie, die in den Weltraum geschleudert werden (klein ist aber relativ, denn jedes Pixel auf dem Bild entspricht rund 1'500 km). Aber auch auf der Sonnenoberfläche sind viele Protuberanzen als dunkle Schleier erkennbar.
In dieser Einstellung sind die Sonnenflecken nicht sichtbar.
Die Sonne ist rund 104x grösser als die Erde, die zum Vergleich Massstabgetreu einkopiert wurde.
In diesem Sinne wünsche ich allen Lesern ein sonniges neues Jahr, sowohl geistig, als auch meteorologisch.
Aufnahmedaten
10.5.2025 / 10:29, Kamera: ZWO ASI462mc, Teleskop: Acuter elite phoenix 400/40, BLende F/10
